Selbst

Online-Eintrag zitieren

Mößle, R., Loepthien, T. & Asendorpf, J. (2018). Selbst. In M. A. Wirtz (Hrsg.), Dorsch – Lexikon der Psychologie. Abgerufen am 20.10.2018, von https://portal.hogrefe.com/dorsch/selbst/


Aus dem Buch zitieren

Mößle, R., Loepthien, T. & Asendorpf, J. (2014). Selbst. In M. A. Wirtz (Hrsg.), Dorsch – Lexikon der Psychologie (18. Aufl., S. 1389). Bern: Verlag Hogrefe Verlag.
Vorsicht: Dieser Eintrag wurde seit der letzten Buchpublikation online aktualisiert.

Dipl.-Psych. R. Mößle

Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Universität Hildesheim, Institut für Psychologie, Marienburger Platz 22, 31141 Hildesheim
moessler@uni-hildesheim.de

Tim Loepthien

Stiftung Universität Hildesheim, Institut für Musik und Musikwissenschaft, Musikpsychologie
tim.loepthien@uni-hildesheim.de

Prof. Dr. Jens B. Asendorpf

Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für Psychologie, Professur für Persönlichkeitspsychologie
jens.asendorpf@online.de

Literatur

Asendorpf, J. B. & Neyer, F. J. (2012). Psychologie der Persönlichkeit (5. Aufl.). Heidelberg: Springer.

Greve, W. (2007). Selbst und Identität im Lebenslauf. In U. Lindenberger & J. Brandtstädter (Hrsg.), Entwicklungspsychologie der Lebensspanne: Ein Lehrbuch (S. 305–336). Stuttgart: Kohlhammer.

Harter, S. (2012). The Construction of the Self. New York: Guilford Press.

Markus, H. R. & Kitayama, S. (1991). Culture and the self: Implications for cognition, emotion and motivation. Psychological Review, 98, 224–253.

(= S.) [engl. self], [PER], das S. besteht aus einem semantischen System, das alle selbstbezogenen Wissens- und Gedächtnisrepräsentationen in hochstrukturierter Form (Selbstkonzept) sowie deren Bewertungen durch die Person (Selbstwert) beinhaltet. Es unterscheidet sich von allg. Wissensstrukturen ausschließlich durch seine Reichhaltigkeit und seine S.bezogenheit, es stellt keine abgrenzbare Struktur dar. Die Perspektive des realen S. in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft wird ergänzt durch die des möglichen Selbst («Ich könnte auch ganz anders sein»). Besondere motivationale Funktion (Motivation) wird dabei kogn. Repräsentationen von als möglich erachteten zukünftigen Zuständen [engl. possible selves] zugeschrieben. Mit diesen selbstbezogenen Inhalten operieren alle grundlegenden psych. Prozesse (Prozesse des S.), bes. Aufmerksamkeit erhalten häufig diejenigen, die explizit auf eine Veränderung des S. abzielen (selbstregulative Prozesse; Selbstregulation, Informationsverarbeitung, Selbstregulationsmodell). Der Gedanke des Dualismus von Inhalten und Prozessen des S. geht zurück auf William James’ Annahme eines I-Self als erkennendes Subjekt, das sich des Me-Self bewusst ist. Das S. ist ein flexibles, dynamisches System, es entwickelt sich sowohl in Abhängigkeit des situativen Kontextes (aktualgenetisch) als auch über die gesamte Lebensspanne (ontogenetisch).


Einen markanten Punkt in der Entwicklung des S. stellt der Nachweis eines physischen S.konzepts dar, häufig operationalisiert über das Erkennen der eigenen Person im Spiegel (Rouge-Test). Mit der voranschreitenden sprachlichen Entwicklung des Kindes kommt es auch vermehrt zu sprachlichen S.beschreibungen. Diese sind zunächst bezogen auf beobachtbare Merkmale wie Aussehen, Fähigkeiten, Besitztümer, in der späten Kindheit nehmen S.beschreibungen anhand psych. Merkmale zu. Der Übergang zur Adoleszenz ist gekennzeichnet durch die Fähigkeit zur Bildung abstrakter selbstbezogener Konzepte, die sich in den folg. Jahren kontext- und rollenspezif. (Rolle) ausdifferenzieren. Die einzelnen Aspekte des S.konzeptes stehen zunächst relativ unverbunden nebeneinander, erst die kognitive Fähigkeit zur Integration einzelner Abstraktionen ermöglicht die Integration zu einem kontextübergreifenden, kohärenten S.konzept. Im Erwachsenenalter stellt die beeindruckende Stabilität des S. eine Herausforderung für die Forschung dar. Befunde einer hohen Stabilität auch im höheren Lebensalter trotz zunehmender physischer, kogn. und sozialer Einschränkungen und Verluste (Wohlbefindensparadox) führten zu der Annahme, dass diese im Sinne einer Stabilität durch Anpassung vom Individuum aktiv (wenn auch nicht notwendigerweise intentional) hergestellt wird und zu einer daraus resultierenden Beschäftigung mit selbststabilisierenden Mechanismen (Persönlichkeitsstabilisierung, Mechanismen der). Identität und Selbst, Persönlichkeitspsychologie.


In der kulturvergleichenden Forschung (Kulturvergleichende Psychologie) wird zw. dem interdependenten und dem independenten (unabhängigen) S. unterschieden [engl. interdependent self, independent self] (Markus & Kitayama 1991). Ersteres ist typisch für kollektivistische Kulturen, in denen das S. wesentlich über die Beziehungen zu Mitgliedern der eigenen Ingroup (Familie, Arbeitskollegen) definiert ist, Letzteres ist typisch für individualistische Kulturen, in denen das S. unabh. von anderen über indiv. Merkmale (Persönlichkeit) def. ist (Idiozentrismus–Allozentrismus).


Autor/en

R. Mößle, Tim Loepthien & Jens B. Asendorpf

Literatur

Asendorpf, J. B. & Neyer, F. J. (2012). Psychologie der Persönlichkeit (5. Aufl.). Heidelberg: Springer.

Greve, W. (2007). Selbst und Identität im Lebenslauf. In U. Lindenberger & J. Brandtstädter (Hrsg.), Entwicklungspsychologie der Lebensspanne: Ein Lehrbuch (S. 305–336). Stuttgart: Kohlhammer.

Harter, S. (2012). The Construction of the Self. New York: Guilford Press.

Markus, H. R. & Kitayama, S. (1991). Culture and the self: Implications for cognition, emotion and motivation. Psychological Review, 98, 224–253.