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Prosoziales Verhalten

Online-Eintrag zitieren

Bierhoff, H. (2018). Prosoziales Verhalten. In M. A. Wirtz (Hrsg.), Dorsch – Lexikon der Psychologie. Abgerufen am 15.12.2018, von https://portal.hogrefe.com/dorsch/prosoziales-verhalten/


Aus dem Buch zitieren

Bierhoff, H. (2014). Prosoziales Verhalten. In M. A. Wirtz (Hrsg.), Dorsch – Lexikon der Psychologie (18. Aufl., S. 1232). Bern: Verlag Hogrefe Verlag.
Vorsicht: Dieser Eintrag wurde seit der letzten Buchpublikation online aktualisiert.

Prof. Dr. Hans-Werner Bierhoff

Lehrstuhlinhaber der Arbeitseinheit Sozialpsychologie, Fakultät für Psychologie, Ruhr-Universität Bochum, Universitätsstr. 150, D-44801 Bochum
hans.bierhoff@rub.de

Literatur

Olweus, D., Block, J. & Radke-Yarrow, M. (Eds.). (1986). Development of antisocial and prosocial behavior. Orlando: Academic Press.

Peterson, C. & Seligman, M. E. P. (2004). Character strengths and virtues. New York: Oxford UP.

Latane, B. & Darley, J. M. (1970). Social determinants of bystander intervention in emergencies. In J. Macaulay & L. Berkowitz (Eds.), Altruism and helping behavior (pp. 13–27). New York: Academic Press.

Bierhoff, H. W. (2002). Prosocial behavior. Hove: Psychology Press.

Bierhoff, H. W. (2002). Prosocial behavior. Hove: Psychology Press.

Bierhoff, H. W. (2010). Psychologie prosozialen Verhaltens (2. Aufl.). Stuttgart: Kohlhammer.

Bierhoff, H. W. & Rohmann, E. (2012). Zivilcourage. In C. Steinebach, D. Jungo & R. Zihlmann (Hrsg.), Positive Psychologie in der Praxis (S. 52–59). Weinheim: Beltz.

(= p.V.) [engl. prosocial behavior], [EM, SOZ], bez. eine intentionale und freiwillige Handlung, die potenziell bzw. tatsächlich einem Empfänger zugutekommt. Ziel von p.V. kann sein, (1) einer anderen Person Nutzen zu bringen (altruistische Motivation, Altruismus), (2) selbst Nutzen daraus zu ziehen (egoistische Motivation) oder (3) beides zu erreichen. Gemischte Motivation (wie unter (3) dargestellt) scheint gegenüber einseitiger Motivation (wie unter (1) und (2) dargestellt) zu überwiegen. Die Forschung über prosoziales Verhalten lässt sich dem Themengebiet der Positiven Ps. zuordnen (Peterson & Seligman 2004). Gemäß dem kogn. Modell der Zuschauer-Hilfeleistung (Latane & Darley 1970) durchlaufen Personen fünf Entscheidungsschritte, bevor sie in einer Notfallsituation p.V. zeigen. So muss die Person das Ereignis bemerken, das Ereignis als Notfall interpretieren, Verantwortung (soziale Verantwortung) übernehmen, eine angemessene Form der Hilfeleistung auswählen und die Handlung schließlich ausführen. Die Wahrscheinlichkeit für ein Eingreifen ist relativ hoch, wenn Hinweise deutlich erkennen lassen, dass ein Notfall vorliegt (z.B. wenn das Opfer um Hilfe ruft) und wenn die Person sich selbst als verantwortlich für ein Eingreifen sieht. Im Prozessmodell des Eingreifens in konkreten Notsituationen (Bierhoff 2002) wird relevantes Wissen, wie es in einer Erste-Hilfe-Ausbildung erworben wird, mit p.V. in Beziehung gesetzt. Vermittelt wird diese Verbindung über psychol. Prozesse (Kompetenzgefühl, Selbstwirksamkeitserwartung), Entschlusssicherheit (Entscheiden), Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme, prosoziale Intention). Das Kompetenzgefühl ist der subj. Ausdruck des Ausbildungsstands. Im Kompetenzgefühl spiegelt sich die Selbstwirksamkeit wider, welche die Selbstsicherheit und das Selbstvertrauen bezeichnet, eine Handlung in einer Situation erfolgreich ausführen zu können. Die Entschlusssicherheit umfasst die Einschätzung darüber, wie sicher man ist, helfen zu können. Sie ist höher ausgeprägt, wenn das Kompetenzgefühl stärker ist. Die Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme bez. das Ausmaß der Neigung, sich in einer best. Situation als zuständig wahrzunehmen. Sie wird als stärker erlebt, wenn die Entschlusssicherheit größer ist. Die prosoziale Intention ist das Ergebnis der Verantwortungsübernahme. Bei ausgeprägter Verantwortungsübernahme fällt die Intention höher aus als bei geringer Verantwortungsübernahme. Das Auftreten p.V. bei Unfällen wird durch mehrere Faktoren reduziert, die den Handlungsverlauf stören (Bierhoff 2002, 2010): (1) Diffusion der Verantwortung als Resultat der Anwesenheit vieler Zuschauer, von denen jeder im Prinzip einschreiten könnte, (2) pluralistische Ignoranz, bei der jeder passive Zuschauer Vorbild für den anderen ist, nichts zu tun, (3) soziale Hemmung aufgrund von Angst, in der Öffentlichkeit etwas Falsches zu tun (Bewertungsangst). Ein Anwendungsgebiet des p.V. ist die Zivilcourage, die durch persönlichen Mut, Gerechtigkeitsstreben (Gerechtigkeit, Ungerechtigkeitssensibilität) und Verwirklichung einer humanen Einstellung gekennzeichnet ist (Bierhoff & Rohmann 2012). Zivilcourage kann in unterschiedlichen kommunikativen Räumen (Kommunikation) eingesetzt werden, um Schaden zu verhindern. Dazu zählen die Privatsphäre, aber auch der Berufsbereich und der öffentliche Raum. prosoziales Motivsystem.


Autor/en

Hans-Werner Bierhoff

Literatur

Olweus, D., Block, J. & Radke-Yarrow, M. (Eds.). (1986). Development of antisocial and prosocial behavior. Orlando: Academic Press.

Peterson, C. & Seligman, M. E. P. (2004). Character strengths and virtues. New York: Oxford UP.

Latane, B. & Darley, J. M. (1970). Social determinants of bystander intervention in emergencies. In J. Macaulay & L. Berkowitz (Eds.), Altruism and helping behavior (pp. 13–27). New York: Academic Press.

Bierhoff, H. W. (2002). Prosocial behavior. Hove: Psychology Press.

Bierhoff, H. W. (2002). Prosocial behavior. Hove: Psychology Press.

Bierhoff, H. W. (2010). Psychologie prosozialen Verhaltens (2. Aufl.). Stuttgart: Kohlhammer.

Bierhoff, H. W. & Rohmann, E. (2012). Zivilcourage. In C. Steinebach, D. Jungo & R. Zihlmann (Hrsg.), Positive Psychologie in der Praxis (S. 52–59). Weinheim: Beltz.