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Persönlichkeitsfragebogen

Online-Eintrag zitieren

Häcker, H. (2019). Persönlichkeitsfragebogen. In M. A. Wirtz (Hrsg.), Dorsch – Lexikon der Psychologie. Abgerufen am 20.09.2019, von https://portal.hogrefe.com/dorsch/persoenlichkeitsfragebogen/


Aus dem Buch zitieren

Häcker, H. (2014). Persönlichkeitsfragebogen. In M. A. Wirtz (Hrsg.), Dorsch – Lexikon der Psychologie (18. Aufl., S. 1173). Bern: Verlag Hogrefe Verlag.
Vorsicht: Dieser Eintrag wurde seit der letzten Buchpublikation online aktualisiert.

Prof. em. Dr. Hartmut O. Häcker

ehemals: Professor für Persönlichkeitspsychologie und Angewandte Psychologie der Bergischen Universität Wuppertal
haecker@uni-wuppertal.de

Literatur

Borkenau, P., Friedel, A. & Wolfrath, U. (2011). Standardisierte Persönlichkeitsfragebögen. In L. Hornke (Hrsg.), Enzyklopädie der Psychologie: Persönlichkeitsdiagnostik: (B, II, Bd. 2, S. 1–72). Göttingen: Hogrefe.

Woodworth, R. S. (1918). Dynamic psychology. New York: Columbia UP.

(= P.) [engl. questionnaire, personality inventory], [DIA, PER], Fragebogen zur Erfassung der quant. Ausprägung von Persönlichkeitseigenschaften. P. werden auch als subj. Tests (i. Ggs. zu objektiven Tests und Leistungstests) bez., bei denen dem Pbn verbale Statements vorgelegt werden, auf die er in direkter Reaktion Auskünfte über sein eigenes Verhalten (meist in der Vergangheit oder Gegenwart), über Gefühle, Vorlieben, Abneigungen und Einstellungen gibt. Die Quantifizierung der Pbn-Antworten kann über versch. Antwortfomate erreicht werden, wobei die Ratingskala und die Likert-Skala besonders häufig verwendet werden. Die Werte für die einzelnen Items einer Skala (Skalierung, testtheoretisches Gütekriterium) werden in einem Summenwert zus.gefasst.


Als erster P. ist das Personal Data Sheet von Woodworth (1918) mit 116 Items und der einfachen Antwortkategorie (Ja/Nein) bekannt geworden. Die Gründe für die Einführung dieses neuen Testformates sind, wie häufig bei der Entwicklung neuer Testarten, die erkennbaren Mängel der subj., unsystematischen und unkontrollierbaren Beurteilung von Merkmalen anderer Personen. Außerdem benötigte Woodworth für die Selektion von «neurotischen» Soldaten ein ökonomisches Testinstrument. Dieses Prinzip der Ökonomie hat dann auch zu weiteren Fragebogenkonstruktionen und Anwendungen für unterschiedliche diagn. Zwecke geführt, wobei von den Entwicklern solcher Fragebogen auch darauf hingewiesen wurde, dass die geforderten Eigenbewertungen nicht nur die Fähigkeit zur Selbstreflexion, sondern auch die Offenheit, solche Selbstauskünfte zu geben, voraussetzt.


Die in großer Zahl sowohl als Forschungsinstrumente wie auch als P. in der psychol. Diagnostik verwendeten Verfahren lassen sich am besten nach dem Prinzip ihrer Skalenkonstruktion ordnen und bewerten (Testkonstruktion). Mit der sog. deduktiven oder rationalen Skalenkonstruktion werden P. entwickelt, bei denen die Eigenschaftsdimensionen aus einer Persönlichkeitstheorie stammen. So werden z. B. für die Eigenschaft Extraversion alle bekannten Verhaltens- und Erlebensweisen in einem Itempool gesammelt und nach den Auswertestrategien der Aufgabenanalyse in der Testkonstruktion (Itemanalyse) zu einer Skala zus.gefassst. Bei dem Konstruktionsprinzip der externalen Skalenanalyse greift man auf vorfindbare Personengruppen, die zukünftig mit P. diagnostiziert werden sollen, zurück. Solche Merkmalsträger sind z. B. Unfäller, Delinquente, klin. auffällige Symptomträger, z. B. Depressive. Für diese Merkmalsträger wird je bes. ein Itempool erstellt und zur Beantwortung vorgelegt. Die Items mit den Antworten, die solche Gruppen am besten voneinander trennen, werden zu Skalen zus.gefasst. Bsp. für einen P., der nach einem solchen Prinzip konstruiert wurden, ist das Minnesota Multiphasic Personality Inventory 2 (MMPI®-2). Die induktive, faktoranalytisch konzipierte Konstruktion macht sich den Sprachschatz, in dem sehr viele ps. relevante Eigenschaftsbegriffe enthalten sind, zunutze (Persönlichkeit, neuere faktorenanalytische Ansätze). In mehrstufigen Verfahren werden die Eigenschaftsbegriffe reduziert und über Fragebogenitems bzgl. ihrer Tauglichkeit als Selbstbeurteilungsfragen selegiert und faktoranalytisch in eine größere Zahl miteinander korrelierender Faktoren oder in eine geringere Zahl unabhängiger Dimensionen überführt. Der 16-Persönlichkeits-Faktoren-Test Revidierte Fassung (16 PF-R) bzw. das NEO-Fünf-Faktoren-Inventar (NEO-FFI) wurden bspw. mit dieser Methode entwickelt.


Die geringe Erhebungsaufwand hat P. nicht nur für diagn. Fragestellungen sehr häufig zur Anwendung gebracht, sondern auch dazu geführt, ihre Testgütekriterien in allen möglichen Varianten zu überprüfen. Für die Objektivität konnte festgestellt werden, dass bei instruktionsgerechter Administration die Durchführungsobjektivität, die Auswerteobjektivität und die Interpretationsobjektivität in hohem Maße gegeben sind. Bei der Zuverlässigkeitsüberprüfung ergeben sich für die Kontrolle der internen Konsistenz – bei gegebenen Voraussetzungen für die Berechnung von Cronbachs Alpha – Werte zw. ,80 und ,90. Auch bei der Berechnung von Retest-Reliabiliätskoeffizienten zeigen sich bei nicht zu langen zeitlichen Intervallen hohe Stabilitätkoeffizienten (Reliabilität). Persönlichkeitseigenschaften wird als Prädiktoren für die Verhaltensbeschreibung und -vorhersage eine hohe Augenscheinvalidität zugesprochen (Validität). Bezieht man jedoch diese Eigenschaften auf die mit P. erfassten Merkmale, so sind die ermittelten korrelativen Beziehungen zw. P.-Daten und z. B. dem Berufserfolg eher niedrig. Diese Befunde können einerseits auf die bei Selektionsstrategien stattfindenden Verfälschungstendenzen zurückzuführen sein. Sie können aber auch damit zus.hängen, dass berufsrelevante Persönlichkeitseigenschaften mit den für allg. Eigenschaften konstruierten P. nur teilweise übereinstimmen. Mit der Intention der berufsbezogenen Persönlichkeitsbeschreibung wurde z. B. das Bochumer Inventar zur berufsbezogenen Persönlichkeitsbeschreibung (BIP-6F) konstruiert, bei dem Zusammenhänge zum Berufsstatus, zum Berufserfolg und zur Berufszufriedenheit in bedeutsamer Größenordnung gefunden werden konnten. Eine weitere Maßnahme zur Kontrolle der Validiät von P. ist die Übereinstimmung zw. unabhängigen Beurteilern der Eigenschaften von Personen und deren Testwerten aus P. Mit dieser Methode lassen sich Korrelationen zw. ,50 und ,60 erzielen (Beurteilerübereinstimmung).



Auch bei diagn. Fragestellungen im Bereich der Klin. Ps. können bedeutsame Übereinstimmungen von Meßwerten aus P. und klinischen Symptomen, z. B. bei der Diagnose von Persönlichkeitsstörungen, gefunden werden.


Autor/en

Hartmut O. Häcker

Literatur

Borkenau, P., Friedel, A. & Wolfrath, U. (2011). Standardisierte Persönlichkeitsfragebögen. In L. Hornke (Hrsg.), Enzyklopädie der Psychologie: Persönlichkeitsdiagnostik: (B, II, Bd. 2, S. 1–72). Göttingen: Hogrefe.

Woodworth, R. S. (1918). Dynamic psychology. New York: Columbia UP.