Der DORSCH in der 18. Auflage: das Standardwerk der Psychologie!

Gestaltgesetze, Gestaltfaktoren

Online-Eintrag zitieren

Frings, C. (2018). Gestaltgesetze, Gestaltfaktoren. In M. A. Wirtz (Hrsg.), Dorsch – Lexikon der Psychologie. Abgerufen am 24.04.2018, von https://portal.hogrefe.com/dorsch/gestaltgesetze-gestaltfaktoren/


Aus dem Buch zitieren

Frings, C. (2014). Gestaltgesetze, Gestaltfaktoren. In M. A. Wirtz (Hrsg.), Dorsch – Lexikon der Psychologie (18. Aufl., S. 630). Bern: Verlag Hogrefe Verlag.
Vorsicht: Dieser Eintrag wurde seit der letzten Buchpublikation online aktualisiert.

Prof. Dr. Christian Frings

Leiter der Abteilung Allgemeine Psychologie & Methodenlehre, Fachbereich I, Psychologie, Universität Trier, 54296 Trier
chfrings@uni-trier.de

Literatur

Wertheimer, M. (1912). Experimentelle Studien über das Sehen von Bewegung. Zeitschrift für Psychologie, 61, 161–265.

Koffka, K. (1935). Principles of Gestalt psychology. New York: Harcourt, Brace.

Köhler , W. (1930). Gestalt psychology. London: G. Bell & Sons.

Bregman, A. S. (1990). Auditory scene analysis: The perceptual organization of sound. Cambridge: MIT Press.

Gallace, A. & Spence, C. (2011). To what extent do Gestalt grouping principles influence tactile perception? Psychological Bulletin, 137, 538–561.

[engl. gestalt laws, gestalt grouping, gestalt principles], [WA], bez. eine Gruppe von Regeln, die beschreiben, wie wir perzeptuelle Eindrücke (Wahrnehmung) zu Objekten organisieren. Die Beschäftigung mit dieser Frage führte zur Gründung der Gestaltpsychologie durch Wertheimer und Kollegen, die sich von den Ideen des Strukturalismus (das Ganze setzt sich aus einzelnen elementaren Empfindungen zus.) abgrenzten und annahmen, dass das Ganze mehr sei als die Summe seiner Teile (Wertheimer 1912). Die heutige Sichtweise ist dabei, dass man nicht mehr von Gesetzen, sondern von Prinzipien oder Heuristiken ausgeht. Dennoch haben die Gestaltprinzipien (= G.) das Verständnis über die Prozesse, die zur Wahrnehmung kohärenter Objekte führen, bis heute beeinflusst. Einige prominente G. sind die Prinzipien der Nähe, der Ähnlichkeit, des guten Verlaufs, des gemeinsamen Schicksals, der Vertrautheit, der Verbundenheit von Elementen und der zeitlichen Synchronizität. So werden z.B. Elemente, die sich ähnlich sehen (Prinzip der Ähnlichkeit), die räumlich nahe beieinander angeordnet sind (Prinzip der Nähe), die durch weitere Reize miteinander verbunden sind (Prinzip der Verbundenheit von Elementen) oder die zus. an ein bedeutungshaltiges Reizmuster erinnern (Prinzip der Vertrautheit), zus. gruppiert (vgl. Abbildung). Neben diesen Prinzipien gilt das zentrale Prinzip der Einfachheit, das besagt, dass alle Reizmuster so gesehen werden, dass die resultierende Struktur so einfach wie möglich ist.



G. ermöglichen keine präzisen Vorhersagen, da in einer konkreten Situation versch. G. durchaus in Konkurrenz zueinander stehen können (z.B. die Prinzipien der Nähe und Verbundenheit von Elementen). Deswegen wird heutzutage argumentiert, dass G. heuristisch arbeiten (Heuristik), d.h., in best. Situationen liefern G. sehr schnell Informationen, welche Elemente gruppiert werden sollten. Dies führt meistens (aber nicht immer) zu korrekten Objektrepräsentationen (Repräsentation). Diese Vorstellung von heuristisch arbeitenden G. kann erklären, warum die G. eben keine Gesetzte sind, die präzise Vorhersagen machen.



Die G. wurden ursprünglich vornehmlich auf die Verarbeitung visueller Reize angewendet (visuelle Wahrnehmung, z.B. Koffka 1935, Köhler 1930); es hat sich jedoch gezeigt, dass sich die G. auch auf die Verarbeitung akustischer (Hören, Bregman 1990) und taktiler Reize (Hautsinne (Tast-, Temperatur-, Schmerzsinn); Gallace & Spence 2011) übertragen lassen. Somit scheint die Aussage gerechtfertigt, dass die G. grundlegende, amodale Prinzipien unserer Wahrnehmung beschreiben. 



 


Gestaltgesetze: Gruppierung von Elementen durch Gestaltprinzipien sowie ein Beispiel für widersprüchliche Wirkung zweier Prinzipien
Gestaltgesetze: Gruppierung von Elementen durch Gestaltprinzipien sowie ein Beispiel für widersprüchliche Wirkung zweier Prinzipien


Autor/en

Christian Frings

Literatur

Wertheimer, M. (1912). Experimentelle Studien über das Sehen von Bewegung. Zeitschrift für Psychologie, 61, 161–265.

Koffka, K. (1935). Principles of Gestalt psychology. New York: Harcourt, Brace.

Köhler , W. (1930). Gestalt psychology. London: G. Bell & Sons.

Bregman, A. S. (1990). Auditory scene analysis: The perceptual organization of sound. Cambridge: MIT Press.

Gallace, A. & Spence, C. (2011). To what extent do Gestalt grouping principles influence tactile perception? Psychological Bulletin, 137, 538–561.