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Sprachpsychologie

Online-Eintrag zitieren

Zwitserlood, P. (2017). Sprachpsychologie. In M. A. Wirtz (Hrsg.), Dorsch – Lexikon der Psychologie. Abgerufen am 25.09.2017, von https://portal.hogrefe.com/dorsch/gebiet/sprachpsychologie/


Aus dem Buch zitieren

Zwitserlood, P. (2017). Sprachpsychologie. In M. A. Wirtz (Hrsg.), Dorsch – Lexikon der Psychologie (18. Aufl., S. ). Bern: Verlag Hogrefe Verlag.

Zwitserlood, P.


Sprache ist eine grundlegende kognitive Fähigkeit des Menschen, die der Kommunikation, dem Erwerb neuen Wissens und dem Denken dient. Die Sprachpsychologie (= SPR) befasst sich mit der Beschreibung und Erklärung der an Sprachverarbeitung beteiligten Prozesse und Wissensrepräsentationen. Die wichtigsten Teilbereiche der SPR sind Sprachproduktion (Sprechen, Schreiben, Gebärden), Sprachwahrnehmung (Hören, Lesen), Spracherwerb sowie Sprachstörungen. SPR, meist synonym mit Psycholinguistik benutzt, unterscheidet sich von der allgemeinen Sprachwissenschaft (Linguistik), welche die formale Struktur und die Einheiten der Sprache beschreibt.


Repräsentation und Struktur sprachlicher Informationen: Sprachliches Wissen ist im Langzeitgedächtnis gespeichert. Das Regelwissen (Grammatik) über die Kombination sprachlicher Einheiten (Phoneme: Sprachlaute, Morpheme: Wortteile, Wörter, Satzteile) wird dem prozeduralen Gedächtnis zugeordnet. Informationen über Wörter, deren Teile und Eigenschaften sind im mentalen Lexikon – eine Metapher für langfristig gespeichertes Wortwissen – abgelegt. Das mentale Lexikon enthält Information zur Wortform, zur morphologischen Zusammenstellung und zu den syntaktischen Eigenschaften der Wörter. Die Wortform spezifiziert, aus welchen Grundeinheiten gesprochene (Phoneme) oder geschriebene (Grapheme) Wörter zusammengestellt sind. Wörter können aus einem einzigen Morphem bestehen (monomorphematisch) oder morphologisch komplex sein (durch Flektion, Derivation, Zusammenstellung/Komposition). Eigenschaften wie Wortkategorie (z.B. Substantiv, Verb, Adjektiv) oder Genus (masculinum, femininum, neutrum), die für die Kombination von Wörtern im Satz wichtig sind (Syntax), sind ebenfalls im mentalen Lexikon gespeichert. Auf diese Informationen wird bei der Sprachwahrnehmung und der Sprachproduktion zugegriffen.


Sprachverarbeitung: Während der Sprachwahrnehmung wird der gehörte (oder gelesene) Input in mehreren Schritten verarbeitet. Während der Worterkennung erfolgt Zugriff auf syntaktische Wortinformation sowie auf Bedeutung (Semantik). Die Bedeutungen der einzelnen Wörter im Satz werden zusammengefügt und integriert (Satzverstehen, Textverstehen). Bei der Sprachproduktion wird ein Gedanke, eine Botschaft, die aus semantischen Einheiten aufgebaut ist, schrittweise versprachlicht. Dabei werden Wörter mittels syntaktischer Regeln kombiniert, Wortteile zusammengefügt und beim Sprechen deren lautliche Spezifikation an die Artikulatoren geleitet.


Spracherwerb: Im Spracherwerb (Sprachentwicklung) eignen sich Kinder die spezifischen lautlichen Eigenschaften und Phonemkombinationen ihrer Muttersprache an. Sie erlernen Wortformen, deren morphologische und syntaktische Merkmale sowie die korrekte Beziehung zwischen Wort und Bedeutung. Beim Erwerb einer weiteren Sprache (Bilingualismus) werden die Wortformen, syntaktischen Eigenschaften und grammatischen Regeln dieser zusätzlichen Sprache erlernt.


Sprachstörungen: Ein wichtiger Zweig der SPR beschreibt und erklärt Sprachstörungen (Aphasie, Dyslexie, Sprachentwicklungsstörung, Sprachentwicklungsverzögerung). Sprachstörungen werden mit neurops., neurowiss. und exp. Methoden erforscht, um Erkenntnisse über die spezifischen Störungen, aber auch über das intakte Sprachsystem zu gewinnen.


Methoden: Das Methodenspektrum der SPR ist vielfältig. Neben der Beobachtung von Äußerungen (beim Spracherwerb, bei Sprachstörungen) und Versprechern (bei der Sprachproduktion) wird Reaktionszeitmessung in unterschiedlichen Forschungsparadigmen und Aufgaben wie semantischem oder phonologischem Priming, Monitoring, lexikaler Entscheidung oder Bildbenennung eingesetzt, aber auch neurowiss. Verfahren (Bildgebung; ereigniskorrelierte Potentiale des EEG oder MEG) gehören heute zu den Standardmethoden.


Autor/en

Zwitserlood, P.