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Entwicklungsförderung

Online-Eintrag zitieren

Macha, T. (2019). Entwicklungsförderung. In M. A. Wirtz (Hrsg.), Dorsch – Lexikon der Psychologie. Abgerufen am 14.11.2019, von https://portal.hogrefe.com/dorsch/entwicklungsfoerderung/


Aus dem Buch zitieren

Macha, T. (2014). Entwicklungsförderung. In M. A. Wirtz (Hrsg.), Dorsch – Lexikon der Psychologie (18. Aufl., S. 469). Bern: Verlag Hogrefe Verlag.
Vorsicht: Dieser Eintrag wurde seit der letzten Buchpublikation online aktualisiert.

Dr. Thorsten Macha

Universität Bremen, Zentrum für Klinische Psychologie und Rehabilitation, Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Diagnostik
macha@uni-bremen.de

Literatur

Suchodoletz, W. v. (Hrsg.). (2010). Therapie von Entwicklungsstörungen: Was hilft wirklich? Göttingen: Hogrefe.

Sarimski, K. (2008). Frühdiagnostik und Interventionen im Frühbereich. In F. Petermann & W. Schneider (Hrsg.), Enzyklopädie der Psychologie (Bd. 7: Angewandte Entwicklungspsychologie, S. 61–90). Göttingen: Hogrefe.

(= E.f.) [engl. developmental intervention/support], [EW, KLI], allg. und umfassende Bez. für klin. Interventionsmaßnahmen, welche explizit E.stadien und E.verläufe berücksichtigen und auf eine unauffällige E. hinzielen. Eine E.f. bezieht sich insbes. auf e.orientierte Therapie in den ersten Lebensjahren (Frühtherapie, Frühförderung) und berücksichtigt die Erkenntnisse der Entwicklungspsychopathologie zu normalen und abweichenden E.verläufen. E.f. verfolgt Förderstrategien auf kindbezogener sowie auf familien- und umweltbezogener Ebene und kann unterschiedliche Zielsetzungen verfolgen: (1) Aufholen von E.verzögerungen (Retardation), (2) Kompensation spezif. E.auffälligkeiten sowie (3) Prävention oder Therapie klassifizierter E.störungen (Entwicklungsstörungen, tiefgreifende, Entwicklungsstörungen, umschriebene).



(1) Die Förderansätze zum Aufholen von E.verzögerungen orientieren sich zumeist implizit am Konzept der Zone der nächsten Entwicklung von Wygotski, wonach das Kind Anregungen unmittelbar oberhalb des aktuellen E.niveaus erhält. Das aktuelle E.niveau wird zunächst anhand einer Entwicklungsdiagnostik bestimmt, durch die E.f. soll dann eine Beschleunigung des weiteren E.tempos und somit eine Annäherung an einen altersgerechten E.stand erreicht werden. (2) Die Therapie spezifischer E.auffälligkeiten erfolgt zumeist syndrom- oder symptomspezifisch und richtet sich auf deren biol. und psychosoziale Ursachen sowie auf die aufrechterhaltenden Faktoren. Sie umfasst häufig sowohl med. (z. B. Psychopharmakotherapie) und ps. (z. B. Verhaltenstherapie oder e.neuropsychol. Therapie) als auch explizit handlungsbezogene (z. B. Ergotherapie, Logotherapie, Physiotherapie) Ansätze. Ergänzend richtet sich die E. häufig auch auf die familiären Bedingungen, bspw. auf das Erziehungsverhalten oder die Eltern-Kind-Beziehung (Elternschulung). (3) Die Prävention und Therapie klassifizierter E.störungen setzt typischerweise gezielt an empir. gesicherten, frühen Stadien des stetigen Störungsverlaufs an, bspw. im Zusammenhang mit der Lese-Rechtschreib-Schwäche an der E. der phonologischen Bewusstheit. Hierbei werden das E.niveau des Kindes identifiziert und Anregungen zum Erreichen des nächsten Kompetenzstadiums angeboten. Gleichzeitig werden bei bereits ausgebildeten E.störungen häufig auch defizitkompensierende Verhaltensstrategien vermittelt.



Unter der E. werden zahlreiche Förder- und Therapieansätze mit sehr unterschiedlichen theoretischen Anknüpfungspunkten zus.gefasst. Die wichtigsten Bereiche der E. stellen die motorische Förderung (Motorik), die kogn. Förderung und Sprachförderung (Sprachtherapie), die Förderung schulbezogener Fertigkeiten (vgl. Lesekompetenz, math. Kompetenzen) sowie die Förderung der emotionalen Kompetenz und der sozialen Kompetenzen dar. Der Evaluationsstand der verbreiteten Förderansätze variiert z. T. beträchtlich: Während insbes. für lerntheoretisch bzw. verhaltenstherapeutisch fundierte Maßnahmen gute Wirksamkeitsnachweise vorliegen, weist der empir. Validierungsstand für einige Therapien darauf, dass über eine unspezifische Wirkung (Placebo-Effekt) hinaus keine spezif. Wirksamkeit im Kontext der E.f. besteht.


Autor/en

Thorsten Macha

Literatur

Suchodoletz, W. v. (Hrsg.). (2010). Therapie von Entwicklungsstörungen: Was hilft wirklich? Göttingen: Hogrefe.

Sarimski, K. (2008). Frühdiagnostik und Interventionen im Frühbereich. In F. Petermann & W. Schneider (Hrsg.), Enzyklopädie der Psychologie (Bd. 7: Angewandte Entwicklungspsychologie, S. 61–90). Göttingen: Hogrefe.