Der DORSCH in der 19. Auflage: das Standardwerk der Psychologie!

Dehumanisierung

Online-Eintrag zitieren

Leidner, B. (2019). Dehumanisierung. In M. A. Wirtz (Hrsg.), Dorsch – Lexikon der Psychologie. Abgerufen am 10.12.2019, von https://portal.hogrefe.com/dorsch/dehumanisierung/


Aus dem Buch zitieren

Leidner, B. (2014). Dehumanisierung. In M. A. Wirtz (Hrsg.), Dorsch – Lexikon der Psychologie (18. Aufl., S. 355). Bern: Verlag Hogrefe Verlag.
Vorsicht: Dieser Eintrag wurde seit der letzten Buchpublikation online aktualisiert.

Prof. Dr. Bernhard Leidner

University of Massachusetts Amherst, Department of Psychology, Psychology of Peace and Violence Program
bleidner@psych.umass.edu

Literatur

Leyens, J.-P., Paladino, P. M., Rodriguez-Torres, R., Vaes, J., Demoulin, S., Rodrigues-Perez, A. & Gaunt, R. (2000). The emotional side of prejudice: The attribution of secondary emotions to ingroups and outgroups. Personality and Social Psychology Review, 4 (2), 186–197.

Haslam, N. (2006). Dehumanization: An integrative review. Personality and Social Psychology Review, 10 (3), 252–264.

(= D.) [engl. dehumanization; lat. de- ab-, weg-, humanitas menschliche Würde], [SOZ], ex- oder implizite Wahrnehmung oder Bez. von Personen oder Gruppen als nicht-/untermenschlich, oft durch Verweis auf vermeintlich untermenschliche oder neg. übermenschliche Eigenschaften (z. B. Monster). Dies kann geschehen durch Aberkennung von Eigenschaften, von denen Leute glauben, dass sie (1) Menschen von Tieren unterscheiden (z. B. komplexere Emotionen wie Schuld; Sprache; Kultur; Moral) oder (2) typisch menschlich sind (z. B. Wärme; Offenheit). Die erste Art von D. wertet Personen zu Tieren oder unreifen Kindern herab, die zweite zu Objekten oder Robotern. D. ist oft von Emotionen wie Ekel oder Abscheu begleitet, sowie einem Mangel an Empathie. Sie führt dazu, dass moralische Grundsätze für die Betroffenen nicht mehr gelten. D. dient indiv., interpersonellen, und Intergruppen-Funktionen (z. B. Reduktion moralischer Emotionen; Gefühle von Überlegenheit; Begründung von Konflikten). Daher führt D. zur Duldung und Zuspruch von vergangener sowie zukünftiger Gewalt sowie mangelnder Hilfsbereitschaft für Opfer von Gewalt. D. spielt eine große Rolle für Gruppengewalt (z. B. Genozid): Juden während des Holocaust, bosnische Muslime in den Balkankriegen, Tutsis in Ruanda, und Immigranten wurden vor dem Ausbruch von Konflikten und Gewalt mit Schädlingen und Ungeziefer gleichgesetzt, die die soziale Ordnung und Kultur verunreinigen und bedrohen. Im Bereich interpersoneller Gewalt dient D. dazu, Opfer von Vergewaltigung unbeachtet zu lassen oder gar Vergewaltigung zu legitimieren. Im Alltag findet sich D. oft in Stereotypen wieder, die manchen Gruppen einzigartig oder prototypisch menschliche Eigenschaften absprechen. Gesundheitspersonal sieht Pat. oft als Objekte, um nicht zu viel empathischen Stress zu erleiden. Weiblichkeit oder Behinderungen werden oft mit Tier- oder Kinder-Eigenschaften verknüpft; hier verbindet sich D. mit feindlichem und benevolentem Sexismus sowie bevormundender Diskriminierung.


Autor/en

Bernhard Leidner

Literatur

Leyens, J.-P., Paladino, P. M., Rodriguez-Torres, R., Vaes, J., Demoulin, S., Rodrigues-Perez, A. & Gaunt, R. (2000). The emotional side of prejudice: The attribution of secondary emotions to ingroups and outgroups. Personality and Social Psychology Review, 4 (2), 186–197.

Haslam, N. (2006). Dehumanization: An integrative review. Personality and Social Psychology Review, 10 (3), 252–264.