Der DORSCH in der 18. Auflage: das Standardwerk der Psychologie!

Aufgabenwechsel

Online-Eintrag zitieren

Bermeitinger, C. (2017). Aufgabenwechsel. In M. A. Wirtz (Hrsg.), Dorsch – Lexikon der Psychologie. Abgerufen am 26.05.2017, von https://portal.hogrefe.com/dorsch/aufgabenwechsel/


Aus dem Buch zitieren

Bermeitinger, C. (2014). Aufgabenwechsel. In M. A. Wirtz (Hrsg.), Dorsch – Lexikon der Psychologie (18. Aufl., S. 214). Bern: Verlag Hogrefe Verlag.
Vorsicht: Dieser Eintrag wurde seit der letzten Buchpublikation online aktualisiert.

Prof. Dr. Christina Bermeitinger

Leitung der Arbeitseinheit Allgemeine Psychologie; Universität Hildesheim, Institut für Psychologie, Allgemeine Psychologie, Marienburger Platz 22, 31141 Hildesheim
bermeitinger@uni-hildesheim.de

Literatur

Monsell, S. (2003). Task switching. Trends in Cognitive Sciences, 7, 134–140.

(= A.) [engl. task switching], [KOG], A. ist ein Paradigma der kogn. Ps., in dem Pbn innerhalb des Experiments zw. zwei oder mehr Aufgaben hin- und herwechseln. Die versch. Aufgaben werden typischerweise mit den gleichen Reizen durchgeführt und beziehen sich auf versch. Elemente oder Eigenschaften der Reize. Z.B. werden Zahlen zw. 1 und 9 als Reize eingesetzt und in Aufgabe A (bzw. Aufgabe B) muss entschieden werden, ob die Zahl gerade oder ungerade (bzw. bei B: Zahl größer oder kleiner als 5) ist. Zunächst üben die Pbn die Aufgaben i.d.R. in einer Trainingsphase getrennt ein, in der Testphase werden die Aufgaben gemischt, sodass in versch. Durchgängen versch. Aufgaben ausgeführt werden müssen.



Welche der versch. Aufgaben in einem Durchgang verlangt ist, kann dem Pbn durch versch. Methoden mitgeteilt werden. Im Alternation-Runs-Paradigma werden die Aufgaben in vorhersagbarer Weise abgewechselt (z.B. AAABBBAAABBB …). Die Vorbereitungszeit kann durch Variation des RSI (Reaktions-Stimulus-Intervall (RSI)) variiert werden, jedoch wird dadurch gleichzeitig die Zeit für den passiven Zerfall oder die passive Übertragung des vorherigen Aufgabensets verlängert. Im Task-Cueing-Paradigma ist die Aufgabenabfolge für den Pb nicht vorhersagbar und meist zufällig. Es wird über einen Hinweisreiz (cue) angegeben, welche Aufgabe mit einem Reiz durchzuführen ist. Der Hinweisreiz kann entweder zeitlich vor oder zus. mit dem zu bearbeitenden Reiz präsentiert werden. Hierdurch können das Cue-Stimulus-Intervall (aktive Vorbereitung der nächsten Aufgabe) und das Response-Cue-Intervall (passiver Zerfall oder passive Übertragung der letzten Aufgabeneinstellungen) unabhängig voneinander variiert werden. Beim Intermittent-Instruction-Paradigma findet nach einer Reihe von Durchgängen eine Unterbrechung statt, in der die Instruktion für die folg. Durchgänge gegeben wird. In allen diesen Varianten gibt es jedoch aufeinanderfolgende Durchgänge mit der gleichen Aufgabe (Wiederholungsdurchgänge) und aufeinanderfolgende Aufgaben mit versch. Aufgaben (Wechseldurchgänge).



Vier Phänomene werden im Aufgabenwechsel-Paradigma v.a. betrachtet: (1) (Lokale) Wechselkosten (= W., engl. switch costs; auch Aufgabenwiederholungsvorteile, engl. task-repetition benefits): höhere Reaktionszeiten und Fehlerraten in Wechseldurchgängen als in Wiederholungsdurchgängen. (2) Vorbereitungseffekt (preparation effect): Reduktion der W. bei vorhandenem Wissen über die folg. Aufgabe und bei genügend Zeit, diese vorzubereiten. (3) Residualkosten: Selbst bei perfekter Vorbereitung auf die nächste Aufgabe können die W. nicht komplett vermieden werden. (4) Globale W. (mixing costs): generelle Verlangsamung von Reaktionszeiten, wenn mehr als eine Aufgabe im Arbeitsgedächtnis aktiv gehalten werden muss. Obwohl sich die Leistung nach einem Wechsel in den darauffolgenden Durchgängen ohne erneuten Wechsel rasch erholt, ist sie i.d.R. nicht so gut, wie wenn es nur eine einzige Aufgabe in einem Block gäbe. Theorien zur Entstehung von (lokalen) W. gehen davon aus, dass diverse komplexe kogn. Kontrollprozesse wie Zielaufrechterhaltung/-abschirmung, Hintergrundbeobachtung und Hemmungsprozesse beteiligt sind. W. weisen auf zusätzliche Verarbeitungsanforderungen hin, die durch die Rekonfiguration eines bestehenden Aufgabensets (auch Einstellungsset, task-set) entstehen. Das A.-Paradigma eignet sich bes. für die Untersuchung kogn. Kontrollprozesse.


Autor/en

Christina Bermeitinger

Literatur

Monsell, S. (2003). Task switching. Trends in Cognitive Sciences, 7, 134–140.